Dieser Artikel soll eine Zusammenfassung darstellen für Tipps und Tricks für all jene die ihr Motorrad über die Wintermonate nicht benutzen.
Allgemein geht die Motorradsaison ja vom 1. Januar bis zum 31. Dezember. Aber nicht alle von uns können oder wollen ihr Motorrad fahrbereit halten auch wenn draussen Schnee liegt. Deswegen soll dieser Artikel ein paar Tipps geben wie man ein Motorrad am besten für den Winter präpariert und wieder aus dem Winterschlaf erweckt.
Externe Leitfäden Louis Schraubertipps (https://www.louis.de/rund-ums-motorrad/schraubertipps) enthalten viele Hinweise für Selbstschrauber, darunter auch Tipps zur Winterruhe, Batteriewartung und den Frühjahrs-Check.
Motorrad einwintern
Damit ein Motorrad längere Standzeiten möglichst schadlos übersteht folgen hier ein paar Tipps. Der einfachste zuerst: Wer ein Sorglos-Paket haben möchte kann sich bei vielen Garagen einen Überwinterungsplatz mieten. Darin inbegriffen ist meistens ein (beheizter) Stellplatz, die Batteriewartung und manchmal auch ein Frühjahrs-Checkup. Übliche Preise liegen bei ab 1.-- pro Einstelltag.
Checkliste fürs Einwintern:
- Lagerplatz: Trocken und temperiert
- Batterie: Laden oder ausbauen, regelmässig nachladen
- Reinigung: Sauber waschen und konservieren, ölen, Staubschutz
- Reifen: Reifendruck erhöhen, ggf. Reifen entlasten
- Flüssigkeiten: Voller Tank und frisches Öl
Lagerplatz Grundsätzlich sollte ein geeigneter Überwinterungsplatz frostfrei sein. Das heisst die Temperaturen sollten nach Möglichkeit nicht den Nullpunkt unterschreiten. Der Lagerplatz sollte auch möglichst trocken (niedrige Luftfeuchtigkeit) sein.
Batterie
Überwinterungsempfehlungen (Kurzfassung):
- Blei-Gel Batterien alle 1-2 Monate nachladen oder permanent an Ladungserhaltungs-Ladegerät angeschlossen lassen
- Lithium-Ionen Batterien ausbauen, warm lagern und regelmässig nachladen
- Komfort-Stecker unter den Sitz verlegen für einfachen Ladegerät-Anschluss
Generelles zu Batterietypen: Generell wird häufig empfohlen die Batterie aus dem Motorrad auszubauen. Generell ist die Batterie bei neueren Motorrädern weniger kritisch als bei älteren Modellen da die angeschlossenen Systeme im Werkszustand häufig wenig Strom brauchen – überstehen die Batterien häufig auch mehrmonatige Nichtbenutzung schadlos und liefern im Frühling noch genug Strom für den Motor-Start.
Generell springen Vierzylinder Sport-Bikes im Frühling tendenziell besser an mit einer schwachen Batterie als Motoren mit 1 oder 2 Zylinder. Das liegt daran, dass der Starter die höhere Kompression der grösseren Brennräume überwinden muss.
Wichtig ist zu wissen, dass eine Batterie eine gewisse Selbstentladung hat. Entlädt sich eine Batterie unter einen gewissen Schwellwert gilt sie als "Tiefentladen" und nimmt irreparablen Schaden.
Die meisten Motorräder sind heute mit wartungsfreien Blei-Gel Batterien ausgestattet. Eine Spannung unter 11V sollte sie nicht erreichen. Die Selbstentladung liegt bei rund 5% pro Monat bei 20°C.
Lithium-Ionen-Akkus sind sehr empfindlich auf Tiefentladung. Sie weisen eine Selbstentladung von rund 4% auf, ihre Kapazität ist aber meist geringer (3-5Ah). Ausserdem sind sie sehr empfindlich bei niedrigen Temperaturen.
Überwinterungsempfehlungen: Lithium-Ionen Batterien sollten für die Überwinterung besser ausgebaut und regelmässig in der warmen Wohnung gewartet (geladen) werden. Blei-Gel Batterien können generell auch im Motorrad verbleiben.
Zu empfehlen ist ein regelmässiges Nachladen alle 1-2 Monate. Es gibt auch Ladegeräte mit Ladungserhaltungs-Funktion die permanent angeschlossen bleiben können – dies ist die schonendste Art.
Wichtig: Für Lithium-Ionen Akkus muss zwingend ein taugliches Ladegerät verwendet werden. Die Verwendung eines Bleiakku-Ladegerätes kann zu dessen Zerstörung und ggf. sogar zur Brandgefahr werden!
Reinigung Vor längerer Nichtbenutzung sollte ein Motorrad gereinigt werden. Insbesondere Insekten-Rückstände und weitere Verunreinigungen sollten abgewaschen werden. Nach dem gründlichen Waschen kann der Lack mittels Wachs-Versiegelung konserviert werden. Lackschäden sollten mit einem Lackstift abgedeckt werden um Korrosion zu vermeiden.
Gummilippen und Dichtungslippen können mit spezieller Gummi-Pflege behandelt werden. Für Chrom- und Fahrwerksteile gibt es spezielle Korrosionsschutz-Sprays. Besonders die Standrohre an den Gabeln sollten geschützt werden da schon wenig Flugrost zu Undichtigkeiten an den Dämpfern führen kann.
Die Kette sollte vor dem Einwintern gereinigt und danach komplett mit Kettenspray behandelt werden. Tipp: Reinige die Kette komplett vor der letzten Ausfahrt. Sprühe nach der letzten Ausfahrt nochmals etwas nach.
Das Motorrad kann mit einer atmungsaktiven Plane oder Decke zugedeckt werden. Luftundurchlässige Plastikplanen sind ungeeignet da sich darunter gerne Kondenswasser bildet.
Reifen Vor dem Einwintern sollte man den Reifendruck prüfen und etwa 0.5bar über dem vom Hersteller angegebenen Druck in die Reifen geben (~3-3.2 bar sind in der Regel OK). Diese Massnahme verhindert die Bildung eines "Standplattens".
Bei Motorrädern mit Zentralständer empfiehlt es sich das Motorrad auf den Zentralständer zu stellen um das Hinterrad zu entlasten. Auf keinen Fall sollte man abgefahrene Reifen vor dem Einwintern auswechseln – lieber im Frühling als erste Handlung zum Reifenhändler.
Flüssigkeiten Wer den jährlichen Service noch nicht gemacht hat sollte diesen noch vor dem Einwintern erledigen und auch den Ölwechsel durchführen. Nach dem Ölwechsel sollte zumindest noch eine ausgedehnte Ausfahrt gemacht werden um den Motor auf Temperatur zu bringen.
Bei älteren Modellen mit Vergasermotor wird empfohlen den Vergaser zu entleeren: Benzinhahn zudrehen und die Maschine laufen lassen bis sie von selbst ausgeht. Bei Einspritz-Motorrädern entfällt die Prozedur.
Es wird empfohlen den Tank bis ganz oben mit Benzin aufzufüllen. Dies verhindert die Bildung von Kondenswasser. Moderne Motorräder haben aber einen beschichteten Tank – schadet aber nicht.
Kühlflüssigkeit und Bremsflüssigkeit sollten nur bei offensichtlichen Lecks geprüft werden – ansonsten besser nach der Winterpause prüfen.
Motorrad auswintern
Batterie Wer die Batterie an einem Ladungserhaltungs-Ladegerät angeschlossen hatte muss dieses nun nur noch abklemmen. Ansonsten empfiehlt es sich einen Tag vor der geplanten Ausfahrt die Batterie nochmals über Nacht zu laden.
Hinweis: Polfett leitet nicht und wird erst NACH dem Verbinden der Batterie auf die freiliegenden Kontakte aufgetragen. Nie auf die Kontaktflächen vor dem Festschrauben!
Technische Prüfung
Licht – Prüfen aller lichttechnischen Anlagen:
- Tagfahrlicht
- Abblendlicht
- Standlicht
- Fernlicht
- Rücklicht
- Bremslicht
- Alle Blinker
- Kennzeichenbeleuchtung
- Instrumentenbeleuchtung
Reifen: Die Reifen sollten auf ungleichmässige Abnutzung geprüft werden und müssen mindestens 1.6mm Restprofil haben. Auch alte Reifen sollten ersetzt werden selbst wenn sie noch genügend Profil aufweisen da sie mit dem Alter härter werden. Das Produktionsdatum ist auf den Reifen abzulesen: 4-stellige Zahl im Format wwJJ (Kalenderwoche + Jahr). Beispiel: 1018 = 10. Kalenderwoche 2018.
Reifendruck prüfen und korrigieren. Faustformel: 2.3bar vorne und 2.6bar hinten. Tipp: Im Frühling kann ein etwas geringerer Reifendruck empfehlenswert sein da Reifen ihre Haftung nur bei Betriebstemperatur entwickeln. 0.2-0.3bar unter der Hersteller-Empfehlung ist ein guter Wert.
Bremsflüssigkeit: Sollte alle 2-3 Jahre gewechselt werden. Es gibt Bremsflüssigkeitstester welche den Wassergehalt messen.
Dämpfer: Per Sichtprüfung (keine Lecks) und Druckprüfung prüfen. Das Motorrad sollte nach einem beherzten Druck 1x ausfedern und stabil bleiben. Schwingt es nach wie ein Schaukelpferd fehlt die Dämpfung und die Dämpfer müssen gewartet werden. Mit defekten Dämpfern auf keinen Fall losfahren!
Motor: Zündkerzen, Zündkabel, Schläuche und Leitungen auf Verschleiss und Risse prüfen. Auf Flüssigkeitslecks achten. Motorenflüssigkeiten prüfen: Kühlflüssigkeitsstand zwischen min. und max., Ölstand bei aufrechtem Motorrad prüfen (nicht auf dem Seitenständer!). Zu viel Öl ist mindestens so schädlich wie zu wenig.
Antriebsstrang: Eine Kette die man am hinteren Kettenrad mehr als ein halbes Glied abheben kann ist verschlissen. Immer das gesamte Kettenkit ersetzen (Ritzel, Kettenrad und Kette).
Hebel: Alle Hebel auf Freigängigkeit und Funktion prüfen. Bremshebel müssen Bremsdruck aufbauen und das Bremslicht auslösen.
Erste Fahrt Aufsitzen, Zündung einschalten, Getriebe auf Neutral, Starter betätigen. Es kann sein dass das Motorrad etwas orgelt bis es anspringt. Eine starke Rauchentwicklung am Anfang ist normal – geringe Mengen Öl können über die Wintermonate in die Brennräume geflossen sein.
Es ist NICHT sinnvoll das Motorrad im Standgas auf dem Ständer warmlaufen zu lassen. Am schonendsten ist es gleich loszufahren – mit moderaten Drehzahlen in höheren Gängen.
Fahrstil Der Fahrer gehört ebenfalls zu den "Teilen" die überwintert haben. Wer gleich wieder im gleichen Stil in die Kurven fährt wie vor der Winterpause wird sich möglicherweise schneller im Grünen wiederfinden als ihm lieb ist. Die Strassen sind noch kalt und der Grip der Reifen nicht so gut wie vor der Winterpause.
Empfehlung: Die ersten 100km bewusst "schleichend" absolvieren um sich wieder an das Fahrgefühl zu gewöhnen. Ebenso empfiehlt sich ein Schräglagentraining oder der Besuch eines Übungsplatzes für Vollbremsungen und Schräglagenübungen.
Es ist kein Zufall, dass die meisten tödlichen Motorradunfälle im Frühling an den ersten sonnigen Tagen im Jahr passieren!
In diesem Sinne: Gute Fahrt!