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Rennstrecke

  • Boo
  • 6. Mai 2026 um 21:56
  • 6. Mai 2026 um 21:59
  • 33 mal gelesen
  • Guide für Leute, die mal Rennstreckenluft schnuppern wollen. Worauf muss ich achten? Wo finde ich Informationen?

    Ein Fahrtraining auf einer Rennstrecke ist mit das beste Training für jeden Fahrer, der sein Motorrad gerne sportlich auf befestigten Strassen bewegt. Aber auch gemütlichere Fahrer können nur profitieren. Sicherheit kommt durch Wiederholung. An einem Rennstreckentraining werden pro Tag die gleichen 10-15 Kurven etwa 50-80mal durchfahren und dies im Idealfall mit immer zunehmender Geschwindigkeit.

    Dies soll eine Wegleitung für Rennstreckenneulinge sein. Erfahrene Racer kennen das alles und wissen auch, unter welchen Umständen man von welchen erwähnten Tipps abweichen kann.


    Was du vorher schon wissen solltest

    Die Gefahren Es besteht kein Zwang, am Limit zu fahren, mit dem Knie zu schleifen oder schwarze Striche aus den Kurven zu ziehen. Die Gefahr eines Sturzes bestimmt der Fahrer zu 99% alleine. Die Gefahr von einem anderen Fahrer zu Sturz gebracht zu werden ist kleiner als auf der Strasse, weil jeder viel mehr Platz hat, extrem konzentriert ist und alle in die gleiche Richtung fahren.

    Die Kosten Der Veranstalter verlangt pro Tag ca. 150-250 CHF, hinzu kommt im Wesentlichen nur das Benzin (ca. 15-20 Liter pro Tag) und der Reifenverschleiss. Als Neuling auf einer nahegelegenen Strecke brauchst du keine besonderen Utensilien. Teuer wird's erst bei weiter entfernten Strecken mit Übernachtung, Boxenmiete und Spezialausrüstung wie Reifenwärmer, Slicks, Ständer usw.

    Das fahrerische Können Du solltest dein Motorrad einigermassen im Griff haben. Bremsen, Schalten und Gasgeben sollten automatisiert sein. Du musst aber definitiv nicht der Schnellste auf den Pässen sein!

    Die Streckenwahl Am bekanntesten weil am nächsten zur Schweiz ist Anneau du Rhin (AdR), von Basel aus in 40 Min. zu erreichen. Chenevières ist ein bisschen weiter, von der Grösse mit AdR zu vergleichen. Beide Strecken sind für Anfänger sehr gut geeignet. Noch weiter sind Dijon, Bresse oder Hockenheim.

    Die Anfahrt Nach 3h Anfahrt hat nicht jeder noch genug Konzentration fürs Fahren. Überlege dir am Vortag anzureisen oder erst am Tag darauf wieder heimzufahren. Luxus ist ein Anhänger oder Transporter – tu dich mit jemandem zusammen und miete etwas.

    Das Motorrad Ein Chopper ist definitiv nicht für die Rennstrecke gemacht. Von Nakedbikes, Reisemaschinen oder Enduros ist alles möglich. Das Motorrad sollte technisch in einwandfreiem Zustand sein. Koffer abmontieren, Spiegel zurückklappen oder abkleben, alle Lichter und Blinker abkleben. Gedrosselte Maschinen sind nicht ideal aber nicht verboten – auf der Rennstrecke braucht man keine Strassenzulassung. Einige Veranstalter verlangen, dass die Ölablassschraube mit Draht gesichert und die Kühlflüssigkeit durch destilliertes Wasser ersetzt wird.

    Die Bekleidung Vollausstattung: Integralhelm, Lederkombi (einteilig bevorzugt, zweiteilig mit Reissverschluss meist akzeptiert), gute Stiefel, Handschuhe und Rückenpanzer sind vorgeschrieben. Beim Veranstalter vorab erkundigen was akzeptiert wird.

    Die Reifen Heutige Strassenreifen haben eine enorme Performance. Fürs erste Mal braucht man keine Rennreifen. Enduroreifen sind aber nicht die richtige Wahl. Als Faustregel: Reifendruck gegenüber Strasse vorne ca. 0.2bar und hinten ca. 0.4bar absenken.

    Die Wahl der Trainingsart Schätze dich selber ein – sei ehrlich zu dir selbst! Es gibt Sicherheitstrainings mit konkreten Übungen und Pylonen, oder freies Fahren in Leistungsgruppen. Die Einteilung erfolgt nach Selbsteinschätzung oder konkreter Rundenzeit.

    Die Wahl der richtigen Gruppe Persönlicher Tipp für ambitioniertere Sportfahrer: lieber in eine schnellere Gruppe einteilen lassen. Schnelle Fahrer sind auf der Rennstrecke in aller Regel die besseren Fahrer. Die gefährlichsten Manöver sieht man immer in den langsamen Gruppen. Aber nochmals: sei ehrlich zu dir selbst!

    Die Instruktoren Viele Veranstalter bieten instruktorengeführte Fahrten in der langsamsten Gruppe an. Meist fahren 5-8 Fahrer das Tempo des Instruktors nach, nach jeder Runde wird die Reihenfolge gewechselt. Innerhalb der Gruppe gilt Überholverbot.

    Gruppenwechsel Aus organisatorischen Gründen meist nicht möglich. Daher: sei ehrlich zu dir selbst! Versuch die Gruppe so zu wählen, dass du vom Tempo her im Mittelfeld bist. Im Grenzfall wird man eher in eine langsamere Gruppe umgeteilt als in eine schnellere.

    Der Zeitplan Eine Session dauert meist 15-20 Min., danach folgen die anderen Gruppen – du hast 40-60 Min. Pause. Diese Zeit nutzen um sich mit anderen über Linienwahl, Tempogestaltung und Gangwahl zu unterhalten und sich auszuruhen. Ein paar Müsliriegel mitnehmen – Mittagessen und Getränke gibt es meistens vor Ort.


    Was du beim Fahren wissen solltest

    Die wichtigsten Verhaltensregeln Werden bei jedem Veranstalter in einem obligatorischen Fahrerbriefing erwähnt.

    Blick nach vorne! Nie zurückschauen. Der Hintermann hat IMMER auf den Vordermann Rücksicht zu nehmen, nicht umgekehrt. Auch nicht auf den Tacho schauen – allenfalls abkleben. Eine halbe Sekunde zu lang auf den Topspeed geschaut und du verpasst deinen Bremspunkt um 30m.

    Bleib auf deiner Linie! Auch wenn jemand überholen möchte: fahr so wie du es alleine tun würdest. Schnelle Fahrer finden immer einen Weg vorbei.

    Linienwahl Wie auf der Strasse, nur extremer: aussen anbremsen, nach Hälfte der Kurve ganz innen sein, dann aufrichten, Gas geben und nach aussen treiben lassen.

    Überholen Ganz oder gar nicht! Halbherzige Überholmanöver sind gefährlich. Am sichersten auf der Geraden. Beim Ausbeschleunigen immer INNEN vorbei – der andere lässt sich nach aussen tragen. Beim Ausbremsen ebenfalls INNEN vorbei.

    Überholt werden Kann passieren. Erschreck dich nicht – in aller Regel hat der Überholende alles unter Kontrolle. Konzentrier dich auf deine Fahrt.

    Schau auf die Streckenposten! Merk dir wo die Posten stehen. Sie geben Flaggensignale mit wichtigen Informationen.

    • Gelbe Flagge: Störung/Hindernis auf/neben der Strecke. Tempo rausnehmen, NICHT abrupt bremsen, nicht überholen. Kurzes Hand- oder Fusszeichen für den Hintermann.
    • Rote Flagge: Wie gelb, zusätzlich Abbruch der Session. Runde fertig fahren und ins Fahrerlager zurück – nicht bummeln, vielleicht braucht ein Fahrer ärztliche Hilfe.
    • Schwarz-weiss karierte Flagge: Session regulär zu Ende. Runde fertig fahren, vor dem Verlassen Hand- oder Fusszeichen geben.

    Tempogestaltung Fahr dein Tempo! Hinter deutlich langsameren Fahrern lernt man nichts. Einem deutlich schnelleren Fahrer nachzufahren könnte dich zu Sturz bringen. Faustregel: Der Lerneffekt ist bei 90% des persönlichen Limits am grössten.


    Weiterführende Infos

    • racing4fun.de – Sammlung von Strecken, Veranstaltern, Terminen; grösste deutschsprachige Racing Community
    • racing-bikers.ch – Forum von Schweizer Hobbyracern
    • Veranstalter mit Einsteigertrainings (nicht auf racing4fun.de): Max Riedo, Cornu, Masterschool, Coulon, Have-fun.ch, Swissmoto/Swissnorton, FM Mannhard, BMW Motorrad / BMW Race Academy (inkl. günstiger Miete einer S1000RR – sehr empfehlenswert für Leute ohne geeignetes Motorrad), grosse Markenvertreter (z.B. Yamaha-Days, Honda-Days, Motocenter Thun)
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