Hallo zusammen
Hier kommt ein etwas ausführlicher Bericht meiner Prüfung letzte Woche in Bülach.
Am Morgen der Prüfung habe ich für mich nochmal Spurgasse und 8 geübt. Einfach um ein bisschen mehr das Gefühl fürs Motorrad zu bekommen und auch um meine Nerven ein wenig zu beruhigen. Dann bin ich frühzeitig beim Strassenverkehrsamt (08:25 Uhr, Termin 08:40 Uhr). Nochmal aufs WC und viel durchatmen *hahaha*.
Um 08:35 Uhr kommt der zweite Prüfling dazu. Wir sortieren unsere Motorräder beide auf einem Parkplatz. Lustigerweise sollen wir beide auf einem parken. Wir begrüssen und unterhalten uns kurz und sind beide echt nervös. Gegen 08:45 Uhr kommt der Experte. Sehr freundlicher Typ. Es folgt ein bisschen Small-Talk. Ich bin wirklich mega nervös. Der Experte kontrolliert dann erst den ganzen Papierkram, dann die Motorräder (Blinker vorne und hinten, Bremslicht und Lichter). Zum Schluss noch unsere persönliche Schutzausrüstung. Wir sollen uns ausrüsten und dann zum Start der Manöver-Ecke fahren.
Dort angekommen gehen wir die Manöver (Spurgasse, versetzter Slalom und
ab. Der Experte erklärt uns ganz genau wie wir fahren sollen. Dann sollen wir entscheiden wer anfängt – Ladies first – also ich 😉 Ich schüttle meine Hände und Schulter nochmal aus, atme ein paar Mal tief und los geht es. Motor an und ab in die Spurgasse. Habe ein gutes Gefühl, doch in der Mitte muss ich mit dem Fuss abstehen. Denke, ok... Das wars.. Aber ich mache einfach konzentriert weiter und lasse mich nicht beirren. Der versetzte Slalom klappt sehr gut (nicht komplett eng gefahren) und die 8 muss ich genau einmal fahren (wäre die gerne öfter gefahren da ich sie sehr mag 😉). Dann hält der Prüfer mich an. Ich denke, ok das wars. Er schickt mich heim. Aber nein.. Er sagt mir, ich soll einmal ums Gebäude rumfahren und wenn der andere Prüfling fertig ist, dann darf ich die Spurgasse nochmal machen. Ich bedanke mich von Herzen und fahre wieder los. Am Startpunkt angekommen sehe ich, dass der andere Prüfling beim versetzten Slalom eine Pylone mitnimmt. Die 8 fährt er dann auch nur so halbherzig. Aber auch er darf den versetzen Slalom nochmal machen. Ich setze dann für meine zweite Spurgasse an und dieses Mal ist sie sehr sicher. Der Experte sagt mir, ich solle mich auf die Seite stellen und warten. Der andere Prüfling startet währenddessen nochmal den versetzten Slalom. Ich sehe nichts, da es in meinem Rücken ist. Ich höre auf einmal nur einen Knall und eine Hupe. Drehe mich rum und sehe den andere Prüfling samt Motorrad am Boden liegen. Für ihn ist die Prüfung damit beendet. Der Experte kommt zu mir und erklärt mir wie die Gefahrenbremsung funktioniert. Ich fahre also wieder ums Gebäude rum zum Start und dann geht’s an die Bremsung. Der Experte scheint zufrieden, er winkt mich zu sich. Sagt, alles ok. Spurgasse war einfach zu schnell mit 13.5 Sekunden. Ich soll aber einem bestimmten Punkt auf dem Gelände auf ihn warten und dann geht es auf die Strecke. Ich stelle also mein Motorrad ab und atme erstmal tief durch.
Es dauert eine Weile dann kommt der Experte zurück. Er hat dann jetzt auch seinen Helm auf. Er erklärt mir wie er mir die Signale während der Fahrt gibt zum Abbiegen. Er sagt auch, dass er sich nicht an mir festhält. Es kann aber sein, dass er, je nachdem wie ich bremse, etwas auf rutscht oder sich abstützen muss. Da ich eine Frau bin fragt er ob das für mich ok ist. Ich bejahe dies. Dann steige ich auf, er dazu und los geht es. Wir fahren vom Strassenverkehrsamt geradeaus über die Kreuzung und folgen der Vorfahrtsstrasse. Kurz darauf geht es rechts weg in ein Wohngebiet. Viele rechts-vor-links Strassen und viel auf das es zu achten gibt. Am Ende biegen wir links ab und fahren in Richtung Nussbaumen. Kurz nach der Ortsausfahrt Bülach steht ein Baustellen-Fahrzeug auf der Strasse. Ich denke mir, ruhig bleiben. Schauen ob jemand von vorne kommt und vorsichtig dran vorbei. Von Nussbaumen aus geht es in Richtung Petersboden und wieder runter nach Rorbas. Wir biegen rechts auf die Hauptstrasse ab und fahren Richtung Embrach. In Embrach biegen im zweiten Kreisel nach rechts ab und fahren wieder Richtung Bülach über den Eschenmoser. Kurz vor Bülach ist die Strasse ein wenig nass oder ist das Öl? Schwer zu sagen. Ich fahre bestmöglich drum herum. An der nächsten Ampelkreuzung kommt ein Tipp vom Experten zu solchen Situationen. Nicht negativ belehrend, sondern wirklich nett gemeint. Ich bedanke mich dafür (ja, Freundlichkeit kann ich 😉). In Bülach angekommen fahren wir noch ein bisschen durchs Städtchen und Richtung Spital. Dann geht es vor dem Spital rechts weg und wieder in Richtung Strassenverkehrsamt. Dort angekommen, stelle ich das Motorrad wieder an die bekannte Stelle. Der Experte steigt ab und noch bevor ich komplett abgestiegen bin, gratuliert er mir schon zur bestandenen Prüfung. Ich schaue ihn etwas ungläubig an und frage ernsthaft? Er so «Ja, klar. Das war doch gut.». Ich fange vor Freude an zu weinen. Der ganze Druck fällt in dem Moment ab. Sage ihm, dass ist das beste Geburtstagsgeschenk ever. Er fragt ob ich heute Geburtstag habe. Ich sage ja und er gratuliert mir nochmal. Dann sagt er ich solle kurz warten, er ist gleich wieder da. Kurze Zeit später kommt er mit dem unterschriebenen Lehrfahrausweis zurück. Den Führerschein (vom Auto) behält er ein. Ich bekomme den neuen in den nächsten Tagen zugeschickt.
Alles in allem war es wirklich ok. Mal abgesehen davon, dass ich am Morgen zu Hause vor Aufregung fast erbrochen hätte. Ich bin absolut nicht perfekt gefahren (einmal etwas doll gebremst an einem Kreisel, einmal verschaltet, einmal mit beiden Beinen abgestanden, manchmal etwas ruckelig geschaltet). Ich kann nur vermuten, warum ich dennoch bestanden habe. Es war wahrscheinlich die gute «Verkehrsübersicht» (so hat es der Prüfer genannt und hervorgehoben). Ich habe in jede Kreuzung geschaut, vorausschauend gebremst und mich durch kleine Fehler nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Jetzt bin aber erstmal mehr als happy, dass es überstanden ist. Schauen wir mal wie das Ganze dann in zwei Jahren läuft, wenn ich die offene Prüfung mache 😉