Diskussionsthread zur ZXMoto 820 RR - Neuer Supersportler aus China

  • Hallo zusammen

    Ich wollte mal eine Diskussion zur ZXMoto 820 starten. Ich hatte persönlich bisher kaum direkten Kontakt zur Maschine, finde die Story dahinter aber sehr spannend.

    Normalerweise bin ich bei neuen China-Marken eher skeptisch. Der Gründer kommt aber offenbar wirklich aus der Motorradwelt. Anscheinend war er zuerst als Fahrer und später als Mechaniker unterwegs. Er hat Kove 2017 mitgegründet, ist aber 2024 ausgestiegen und hat danach ZXMoto gegründet.

    Die neue 820er Plattform soll bald in der Schweiz verfügbar sein. Die Supersport-Varianten finde ich besonders spannend:

    • ZXMoto 820RR: 135 PS

    • ZXMoto 820RR-R: 145 PS

    • ZXMoto 820RR-RC: 155 PS

    Alles basiert auf einem Dreizylinder mit 819 ccm. Mit dieser Maschine konnte ZXMoto in der WorldSSP bereits Rennen gewinnen.

    Was ist eure Meinung? Ist ZXMoto nur wieder irgendein Hype, oder eine Marke, welche die chinesischen Maschinen endlich in der Schweiz etablieren kann?

    Einmal editiert, zuletzt von Zianstas (6. Juli 2026 um 10:16)

  • Wieso sollten "Chinesen" keine Motorräder bauen können? Die verkaufen pro Jahr zig mal so viel wie vermutlich alle Europäer zusammen, absoluten Mist kann sich da auch bei "guten" Preisen keiner leisten.

    Das Problem dürfte das bleiben was z.B. Kove schon hat: ohne vernünftiges Händler-Netzwerk, garantierte Ersatzteilversorgung (und stabile Preise) und Langzeiterfahrungen dürften sich die Kunden schwer tun. Im Gegensatz zu Kove (oder, bisschen weiter verbreitet CFMoto) welche quasi 1:1 Kopien vom KTM-Motor verwenden (oder Voge welche BMW-Motoren verwendet) könnte es schwierig werden für einen rein chinesischen Motor schon nur normalen Kram für die Wartung aufzutreiben, zumal die chinesichen Online-Shops immer mehr unter Druck kommen, was die Preise auf Dauer auch höher werden lässt. Bei bis zu 150 PS (was auf dem Prüfstand in der Serie noch zu beweisen ist :winking_face:) ist dann noch fraglich wie fahrbar der Motor ist, bzw. wie lange der hält. Nur weil mal damit Pokale gewinnt, heisst das noch lange nicht, dass das für die Allgemeinheit auch zumutbar ist - das ist schon ein Problem bei der 450er Kove Rally bei welchem der gesamte Auspuff samt Krümmer abgebaut werden muss, nur um an den Ölfilter zu kommen. Kann man machen (bei früheren KTM oder der 450/550er Aprilia war es für die Mechaniker auch einfacher gleich den Motor aus dem Chassis zu nehmen für Wartungsarbeiten), aber für die Allgemeinheit ist das doch eher gewöhnungsbedürftig (bzw. teuer, wenn's dann eben der Mechaniker machen muss).

    In den bisherigen Vergleichstests hat sich immer wieder rausgestellt: die Kisten funktionieren (und zwar teilweise wirklich gut). Aber die verbauten Komponenten sind halt nicht ganz so hochwertig und nicht ganz so sauber abgestimmt (z.B. Fahrwerke, Einspritzung oder Quick-Shifter) wie Japaner oder eben Europäische Hersteller. Die Frage darf erlaubt sein ob man das wirklich braucht, selbst Honda welche Wert auf solche Sachen legt, liefert diverse Maschinen ohne jegliche Verstellmöglichkeiten am Fahrwerk aus, dass das dann nicht immer überall für jeden 100% passt, dürfte klar sein. Nur: wer schraubt denn wirklich am Fahrwerk rum, nur weil er jetzt von Strasse auf Sand oder mal mit Sozia oder eben Gepäck unterwegs ist? (mal abgesehen von bisschen mehr Vorspannung am Federbein, was man ja eigentlich überall, wenn teilweise auch mühsam mit Schlüsseln, hinbekommt). Auch muss ein Top-Rennstreckenfahrwerk bei 50 Km/h auf Schlagloch-übersähnten Innenstädten nicht mehr gerade die Super-Abstimmung sein - ob da elektronisch verstellbare Dämpfer viel dran ändern?

    Es baut ja keiner eine eigene Motorradmarke auf, nur weil er es lustig findet - die Chinesen können auch rechnen und am Ende will jeder Geld verdienen, je mehr desto besser. Somit für mich nur eine Frage der Zeit bis die Preise in ähnliche Regionen gehen wie bei allen anderen Marken auch (abgesehen davon, dass Export durch den Staat subventioniert wird - was die Schweiz mit Käse und vielem anderen mehr ja auch macht).

    Im Grunde kann man sich aktuell nur freuen: einige neue (auch kleinere) Marken welche ihr Glück versuchen, was mehr Auswahl gibt und somit die Verkaufspreise etwas unter Druck setzt (dafür bringen ja z.B. Yamaha oder Aprilia dann "Rally" Sondermodelle mit sattem Aufpreis, da kann man auch die normalen Preise mal etwas senken). Honda hat meines Wissen das Spiel so noch nicht mitgemacht, bieten dafür neue Automatik-Kupplungen wo man fürs Anfahren keine Kupplung mehr ziehen muss oder elektronische Fahrwerke welche man vom Boardcomputer aus einstellen kann. Ob das jetzt ein Fortschritt ist (zumal der Aufpreis auch nicht ohne ist), sei mal dahingestellt, für die Tablett-Generation welche keine 10 Sekunden auskommt ohne irgendwo auf einem Bildschirm was zu drücken muss man sowas wohl anbieten, genau gleich wie (z.B. bei Voge) Tempomaten mit Abstandregulator, damit man den Lenker nicht mehr halten muss :unamused_face:. Fehlen nur noch die Stützräder und automatisch ausfahrbare Leitern für die Adventure-Modelle, damit dann wirklich jeder raufkommt und auch sicher nicht mehr hinfällt.

    Somit: ja, finde ich toll, dass es mehr Auswahl gibt, ob's im Detail überzeugen wird, muss (und wird) sich zeigen. Ob die Dinger jetzt aus China, Japan, Korea, Indien oder eben Europa kommen (USA bekommt eher Seltenheitswert, da ist ausser schwer und teuer nicht viel neues in Sicht) ist am Ende ziemlich egal, wenn man es mit dem Vertrieb und der Ersatzteil-Versorgung hinbekommt.